BusinessStrategy, baby. Everything is.

Strategy, baby. Everything is.

Die meisten AI-Startups stellen sich früh dieselbe Frage: Bauen wir auf den Modellen von OpenAI, Google oder Anthropic auf – oder entwickeln wir lieber etwas Eigenes? Die Frage klingt nach einer Technologie-Entscheidung. In Wahrheit ist sie eine strategische. Und sie ist meistens falsch gestellt. Strategy, baby. Everything is. Dieses Banner hing auf der AI@Strategy Conference von TUM und DLD im Oktober in München. Kaum ein Beitrag hat es so auf den Punkt gebracht wie der von Prof. Shahzad Ansari von der Cambridge Judge Business School. Er beschreibt die Situation von AI-Startups als Tauziehen. Auf der einen Seite zieht die Abhängigkeit: Wer sich an Big Tech anlehnt, ist viable. Infrastruktur, leistungsstarke Modelle und Marktzugang sind ab dem ersten Tag verfügbar. Auf der anderen Seite zieht die Unabhängigkeit: Wer eigenständig bleibt, ist defensible. Das eigene geistige Eigentum bleibt geschützt, ein Lock-in beim Anbieter wird vermieden.

Das Problem: Beide Seiten haben recht. Ohne die großen Modelle kommst du nicht schnell genug auf den Markt. Ohne Eigenständigkeit kann dich das nächste Modell-Update überflüssig machen – spätestens dann, wenn dein Anbieter genau die Funktion selbst anbietet, auf der dein Produkt beruht. Die eigentliche Frage ist deshalb nicht, ob du kooperierst oder konkurrierst. Sondern wie eng du dich koppelst.

Ansaris Antwort darauf sind drei Moves: tighten selectively, decouple deliberately, become the platform. Aus Product-Sicht lese ich sie so: Binde dich dort eng an die großen Modelle, wo sie dir Geschwindigkeit bringen und kein Unterscheidungsmerkmal sind. Textverständnis, Zusammenfassungen oder Übersetzungen musst du nicht neu erfinden. Hier ist Big Tech dein Turbo, nicht deine Konkurrenz. Entkopple dich dagegen bewusst dort, wo dein Kern liegt – bei deinen Daten, deinen Workflows, deinen Qualitätsmaßstäben. Baue dein Produkt so, dass du das Modell darunter austauschen kannst, ohne von vorn anzufangen. Dann wird ein neuer Anbieter zur Option statt zur Bedrohung.

Und schließlich: Werde selbst zu dem Ort, an dem der Wert entsteht. Wer die Kundenbeziehung, den Workflow und die Daten besitzt, ist schwer ersetzbar. Das Modell wird zur Zutat, dein Produkt zum Gericht. Ein einfacher Test zeigt, wo du stehst: Könntest du dein Modell in vier Wochen austauschen? Und was passiert mit deinem Geschäftsmodell, wenn dein Anbieter morgen eine ähnliche Funktion selbst launcht? Wenn du bei diesen beiden Fragen ins Schwitzen kommst, bist du wahrscheinlich zu eng gekoppelt. Interessant ist, wie sehr sich das mit dem Founder-Idea-Fit deckt. Auch dort geht es um die Frage, was dir wirklich gehört und was nur geliehen ist. Eine kopierte Idee trägt nicht mehr, sobald die Entscheidungen schwierig werden. Ein Produkt, das vollständig auf einem fremden Modell aufbaut, ebenso wenig. In beiden Fällen fehlt die eigene Tiefe. Strategie ist deshalb keine Nebensache, die man nach dem MVP nachholt. Sie entscheidet darüber, ob du nur schnell startest – oder auch weitergehen kannst. Big Tech kann dein Motor sein. Das Steuer solltest du selbst in der Hand behalten.

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